Geschichte der Stadt und der Festung Ehrenbreitstein

Eine Siedlung in Ehrenbreitstein wird erstmals 1211 erwähnt, als die Hälfte einer Mühle namens „villa Mulne sub Herinbrechtstein“ dem Benediktinerinnenkloster auf dem Oberwerth geschenkt wird. Der Name der Siedlung wandelte sich mit der Zeit von 1235 Mulenheim, 1284 Mulinheym, 1304 Molin, 1411 Mulen under Helfenstein bis zu 1532 Mühlheim im Thal. Im Jahr 1355 kommt der einfach Name Tal für den Ort auf, auch Dail oder 1459 Dael geschrieben. Kurfürst Philipp Christoph von Sötern ließ den Ort mit Bau von Schloss Philippsburg offiziell Philippstal nennen. Im Dreißigjährigen Krieg bürgerte sich jedoch der Name Ehrenbreitstein ein.

ZeitWas passierte?
Frühes 4. JT v. Chr.Erste bekannte Besiedlung des Ehrenbreitstein
8./9. Jh v. Chr.Besiedlung des Felsens nachgewiesen
10./9. JH v. Chr.Erstmalige Befestigung des Ehrenbreitstein
3.-5. JH v.Chr.Der Römische Burgus (turmartiges kleineres Kastell) das Gebiet, noch nach der Aufgabe des Limes.
Um das Jahr 1000 wurde erstmals eine Burg auf dem Ehrenbreitstein erwähnt, die vom Jahr 1020 an dem Erzbistum Trier zugehörig war. Um 1160 ließ der Erzbischof Hillin (1152-1169) diese Burg ausbauen, wobei der immer wieder um- und ausgebaute Kern der Anlage entstand. Südlich vorgelagert entstand die Burg Helfenstein, und hier wohnten vom 12. bis zum 16. Jahrhundert die Herren von Helfenstein.
1493-1495Gründung eines Augustinereremitenklosters in Ehrenbreitstein durch Johannes Jeuser aus Pfalzel, genannt Johannes Paltz, der Theologieprofessor und Lehrer Luthers war. Es bestand bis 1573, nachdem die Zahl der Patres bis auf zwei herabgesunken war. Luther soll hier auf seiner Reise nach Rom 1510 seinen alten Lehrer Paltz besucht haben.
Um 1600Unter Richard von Greiffenklau (1511-1531) wurde die Anlage zur Festung ausgebaut. Um 1600 entstand unter Leitung der Festungsbauer Maximilian und Johann Pasqualini eine Bastion vor der Festung. Im Schutz dieser Festung erbaute der Erzbischof Philip Christoph von Sötern 1626-1629 das Residenzschloss Philippsburg.
1524 Richard von Greiffenklau läßt die 200-Zentner-Kanone “Vogel Greif” gießen und auf dem Ehrenbreitstein aufstellen.
1627Ansiedlung der Kapuziner in Ehrenbreitstein auf persönlichen Wunsch des Trierer Kurfürsten Philipp Christoph von Sötern von dem Werkmeister Albrecht Beyer von Bamberg
1625-1630Erbauung der Philippsburg am Fuße des Ehrenbreitstein durch Kurfürst Philipp Christoph von Soetern.
1632 Einnahme von Koblenz und Ehrenbreitstein durch Franzosen und Schweden.
1636 Bombardierung von Koblenz durch kaiserliche Truppen unter Feldmarschall Graf von Goertz.
2. Jul 1636 Fast vollständige Zerstörung von Philippsthal oder auch Thal genannt (Ehrenbreitstein) nach einem Ausfall der Franzosen aus der Festung. Der Ausdruck Dahl für Ehrenbreitstein geht also bis ins 17. Jh. zurück.
16. Jun 1637 Die vollständig ausgehungerte Festung ergab sich dem Reitergeneral Jan von Werth, nachdem den Verteidigern freier Abzug gewährt worden war.
1637Die Festung Ehrenbreitstein war einige Male hart umkämpft worden. So vertrieben 1637 die kaiserlichen Truppen die Franzosen, die 5 Jahre vorher hier eingezogen waren.
1650Der Ehrenbreitstein geht als Reichsfestung wieder an Trier.
1657 Wegen der Unsicherheit in Trier wurde der Heilige Rock auf den Ehrenbreitstein gebracht, wo er ab 1666/67 im festen Gewölbe des Zeughauses über 130 Jahre verbleiben sollte.
1688Ludwig XIV belagerte 1688 die Festung, konnte sie aber nicht einnehmen.
Frühjahr 1738Beginn der Bauarbeiten für das Dikasterialgebäude mit dem Abbruch des alten Marstalles und der Sprengung eines Teils der Felsen unter der Feste Helfenstein, die eigentlichen Bauarbeiten haben vermutlich im Frühjahr 1740 begonnen.
1749Erste Sitzung der Kammer am 15. November im neuen Dikasterialgebäude.
1794-1799 Am 23. Oktober 1794 ziehen die Franzosen in Koblenz ein und beginnen mit der Belagerung der Festung Ehrenbreitstein. Bis 1799 wurde die Besatzung durch französische Revolutionstruppen belagert und letztlich durch Aushungern zur Aufgabe gezwungen.
1801 wurde die Festung gesprengt und 1815 durch Beschluss des Wiener Kongresses mit dem Rheinland an das Königreich Preußen abgegeben.
1813Napoleons Truppen fliehen nach dem Russland-Feldzug nach Westen. Blüchers Schlesische Armee erreicht im November den Rhein. Ihr rechter Flügel, das russische Armeekorps St. Priest, überquert am 1. Januar 1814 den Rhein bei der Lahnmündung und erobert am frühen Morgen Koblenz.
1815 Koblenz ist Hauptstadt der Rheinprovinz. Wiederaufbau der Festung Ehrenbreitstein; Aufwand 24 Millionen Mark
1816Beginn der Erdarbeiten auf dem Ehrenbreitstein
1817-1828entstand an Stelle der alten die neue Festung Ehrenbreitstein als Teil der Gesamtfestung Koblenz und Ehrenbreitstein. Sie waren Teil des Festungswerkes, das das Rheinland gegen Frankreich sichern sollte. Es gehörten dazu noch das Fort Asterstein auf der rechten Rheinseite südlich von Ehrenbreitstein, linksrheinisch die Feste Franz, Fort Konstantin und der Neuendorfer Flesche in Lützel auf der linken Moselseite. Die Grundsteinlegung war am 5. Juni 1817.
1878/79Durch den Bau der rechtsrheinischen Eisenbahn wird der Garten des Dikasterialgebäudes zerstört und das Gebäude seines schmalen Vorplatzes vollends beraubt.
1918 Besetzung der Festung Ehrenbreitstein durch die Amerikaner
1920 - 1927Aufgrund des Bestimmungen des Versailler Vertrages wurden zwischen 1920 und 1927 viele Teile der Festung zerstört. Die heutige Festung Ehrenbreitstein wurde erst wieder ab den 50er Jahren touristisch erschlossen.
1951entstand eine Jugendherberge, die inzwischen weltweit einen guten Ruf genießt.
späterHeute beherbergt die Festung neben der Jugendherberge das Landesmuseum, Restaurant und Café

Vielfältig wird heute Ehrenbreitstein genutzt. Nachdem 1994 ein Besucherdienst entstand, werden Führungen für jeden Geschmack angeboten. Und weil es für jeden interessant sein kann, auch etwas über die Geschichte der Festung zu erfahren, empfehlen wir eine Teilnahme nicht nur an den täglichen 45-minütigen Führungen, die im Stundentakt ablaufen, sondern auch an den Spezialführungen.

Informationen auch über Koblenz Touristik Tel. 0261-1291610, Fax 0261-1309211

Quellen der geschichtlichen Angaben:

Festung Ehrenbreitstein, Führungsheft17, Manfred Böckling, Hrsg. Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz
Neue Forschungen zur Festung Koblenz und Ehrenbreitstein, Hrsg. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland Pfalz Burgen Schlösser, Altertümer und Deutsche Gesellschaft für Festungsforschung e.V.
Zur Geschichte der Festung Ehrenbreitstein, Rüdiger Wischemann, Ulrich Löber, 1998 Landesmuseum Koblenz, Selbstverlag des Landesmuseums Koblenz