Der Felsenstollen

Der Felsenstollen, eine Verbindung  vom Dikasterialgebäude zum Schrägaufzug, ist seit Jahren geschlossen. Einstmals war die Begründung für das Schließen Vandalismus, heute ist die Begründung für die Nichtwiedereröffnung die Sicherheit. 

Der nachfolgende Text ist durch das Koblenzer Stadtmagazin verfasst worden.

Tief im Fels, nah an der Geschichte

Wer den Felsenstollen in Ehrenbreitstein betritt, spürt schnell, dass dieser Ort mehr ist als ein dunkler Gang im Gestein. Tief unterhalb der Festung liegt eine weitläufige Bunker- und Stollenanlage, die während des Zweiten Weltkriegs für viele Koblenzer zur letzten Hoffnung wurde. Zwischen 1941 und 1943 wurden die Gänge in den Fels getrieben, um der Bevölkerung Schutz vor den schweren Luftangriffen zu bieten. Historischen Berichten zufolge konnten hier mehr als 10.000 Menschen Zuflucht finden - damit gehörte die Anlage zu den größten Luftschutzorten im Koblenzer Stadtgebiet. -

Bis heute erzählen die rohen, oft nur teilweise ausgemauerten Stollen von den Bedingungen jener Zeit. Feuchtigkeit zieht durch die kühlen Gänge, nackter Fels prägt die Wände, das Licht dringt kaum hinein. Während der Bombennächte harrten hier Menschen auf engstem Raum aus, mit einfachsten Mitteln und unter ständiger Angst. Eimer dienten als Toiletten, einzelne Bereiche wurden als Vorrats- oder Behandlungsräume genutzt. Vieles war provisorisch, alles war auf Schutz und Überleben ausgerichtet. Gerade deshalb ist der Felsenstollen bis heute ein eindrucksvoller Erinnerungsort: kein geschichtlicher Schauplatz auf Distanz, sondern ein Ort, an dem sich die Not der Zivilbevölkerung unmittelbar nachempfinden lässt.

Gleichzeitig richtet sich der Blick inzwischen wieder nach vorn. Die Ortsringvereinigung Ehrenbreitstein hat bei einem Spitzengespräch mit Oberbürgermeister David Langner im Januar 2026 erneut dafür geworben, den Felsenstollen bis zum Jubiläumsjahr 2028 und mit Blick auf die Buga 2029 zugänglich zu machen. Die Idee: Das Land Rheinland-Pfalz als Eigentümer stellt die Nutzung des Stollens als Durchgangsweg für die Stadt Koblenz in Aussicht, während Vereinsmitglieder und engagierte Bürgerinnen und Bürger das tägliche Öffnen und Schließen übernehmen.

Damit könnte der Felsenstollen schon bald mehr sein als ein verborgenes Relikt im Berg. Er würde zu einem öffentlich erlebbaren Stück Stadtgeschichte - passend zu einem Jahr, in dem Ehrenbreitstein mehrere prägende Jubiläen feiert: 200 Jahre preußische Festung, 250 Jahre Clemens Brentano und 125 Jahre Joseph Breitbach. Die Öffnung des Stollens wäre dann nicht nur ein praktischer Weg, sondern auch ein starkes Zeichen dafür, Geschichte dort sichtbar zu machen, wo sie sich tatsächlich eingeschrieben hat.

Die folgenden Fotos stammen aus dem Jahr 2011, als der Stollen noch öffentlich zugänglich und gut beleuchtet war. Ab 2013 war er dann gesperrt und nur noch bei organisierten Führungen zu betreten.