Georg Michael Franck von La Roche
Georg Michael Frank von Lichtenfels
seit 1720 Georg Michael Franck La Roche und
seit 31. August 1775 Georg Michael Franck von La Roche
geb. 4. April 1720 in Tauberbischofsheim
gest. 21. oder 23. November 1788 in Offenbach
Kanzler im Dienste des letzten Kurfürsten von Trier.
Bild: Wikipedia
Als Freiherr Franz Eustach von Hornstein (1729–1805), mit dem er bereits seit längerer Zeit bekannt war, 1771 Konferenzminister des letzten Kurfürsten von Trier, Clemens Wenzeslaus von Sachsen, wurde, erhielt Georg Michael Frank von La Roche einen Ruf als Geheimer Rat an den Hof von Kurtrier, welchem er Folge leistete. Kurz darauf wurde er auch Lehenpropst zu Ehrenbreitstein, bekleidete mehrere Domkanonikate sowie das Amt des Generalvikars von Speyer.
An seinem neuen Wohnsitz in Ehrenbreitstein bildete sein Haus längere Zeit den Sammelplatz der bekanntesten Namen der deutschsprachigen Literatur, unter anderem Johann Wolfgang von Goethe, Christoph Martin Wieland und die beiden Brüder Johann Georg und Friedrich Heinrich Jacobi sowie Wilhelm Heinse, Johann Caspar Lavater und Johann Heinrich Merck; Johann Wolfgang von Goethe schilderte das Leben im Haus des späteren Kanzlers Georg Michael Frank von La Roche in seiner Biografie. Er pflegte auch mit Friedrich Heinrich Jacobi eine Freundschaft, so besuchten sie sich von 1771 bis 1775 jedes Jahr.
Im Oktober 1775 wurde Georg Michael Frank von La Roche Geheimer Staatsrat sowie Regierungskanzler und leitete mit den Ministern von Franz Eustach von Hornstein und Baron Christoph Philipp Willibald von Hohenfeld (1743–1822) das kurtrierische Geheime Kabinett. Er war auch der Hauptvertreter der Aufklärung in Trier und achtete darauf, dass diese in den Schulen verbreitet wurde.
1779 wurde Georg Michael Frank von La Roche zum Direktor des Hofkriegsrats ernannt und er erhielt die einträgliche Stelle eine Zollschreibers in Boppard, die er bis zu seinem Tod beibehielt.
Wohnhaus in Speyer
Er publizierte anonym die Schrift Briefe über das Mönchswesen, in der er Kritik am Ordenswesen übte sowie die päpstliche Einflussnahme auf staatliche Politik kritisierte. Er veröffentlichte jedoch nur den ersten Teil der Briefe über das Mönchswesen. Drei weitere Bände, die wesentlich radikaler in ihrer Kritik waren, wurden von dem Juristen und Schriftsteller Johann Casper Riesbeck (1754–1786) verfasst und irrtümlich Georg Michael Frank von La Roche zugeschrieben. Auch der Koblenzer Schlossbau, der wesentlich teurer wurde, als alle Kostenvoranschläge vermuten ließen, und in der Bevölkerung für Unruhe sorgte, lag in seiner Verantwortung. Er fiel daraufhin 1780 beim Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen in Ungnade, dazu wurde auch gegen ihn durch den Geheimrat Ludwig Josef Beck († 1816) intrigiert, der einen orthodoxen Katholizismus vertrat und der versuchte, die orthodoxen Kreise am kurfürstlichen Hof zu stärken und abweichende, aufgeklärte Meinungen zu verdrängen. Daraufhin wurde Georg Michael Frank von La Roche im September 1780 entlassen. Er verließ mit seiner Familie Koblenz und zog nach Speyer in das Haus des Barons Christoph Philipp Willibald von Hohenfeld; 1786 siedelten sie nach Offenbach um. Dort verkehrten sie freundschaftlich unter anderem mit dem Komponisten Johann Anton André. Sein Nachfolger als Kanzler wurde Ferdinand von Duminique (1742–1803).
Mitgliedschaften
Unter dem Ordensnamen Newton war Georg Michael Frank von La Roche Mitglied der Illuminaten.
Ehrungen und Auszeichnungen
Am 31. August 1775 wurde Georg Michael Frank La Roche als Frank von La Roche von Kaiser Joseph II. in den Reichsadel erhoben.
Der La-Roche-Weg in Tauberbischofsheim wurde nach Georg Michael Frank von La Roche benannt.
Literatur (Auszug)
Johann Jakob Wagner: Koblenz-Ehrenbreitstein: biographische Nachrichten über einige älteren Coblenzer und Ehrenbreitsteiner Familien. Koblenz 1923, S. 137–139.
Michael Embach: Georg Michael Frank La Roche (1720–1788). In: Klaus Haag; Jürgen Vorderstemann (Hrsg.): Meine liebe grüne Stube. Die Schriftstellerin Sophie von La Roche in ihrer Speyerer Zeit (1780–1786). Speyer 2005, S. 45–64.
