Der Stadtteil Ehrenbreitstein - genannt Dahl

Mutter-Beethoven-Haus
Heribertsturm

Ehrenbreitstein, früher Thal Ehrenbreitstein, heute einfach Dahl, liegt auf der rechten Rheinseite gegenüber dem Deutschen Eck. Die frühere Gemeinde ohne Stadtrechte wurde 1937 nach Koblenz zwangseingemeindet. Von 1632 bis 1786 war der Ort Residenz der Trierer Kurfürsten, und über ihm thront die gleichnamige Festung. Seit 2002 gehört die Altstadt zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal und bildet gemeinsam mit Koblenz ein Eingangstor zum Mittelrheintal.

Beethovens Mutter

Am bekanntesten ist der Name Beethoven: Seine Mutter, Maria Magdalena Keverich, wurde in der Wambachstraße 204 geboren und wuchs dort auf. In ihrem Geburtshaus erinnert heute das Museum „Mutter-Beethoven-Haus” an sie.

Ein barocker Ort

Ehrenbreitstein ist ein barocker ehemaliger Residenzort mit verkehrsberuhigten Straßen und alten Gebäuden. Die 1656 geweihte Klosterkirche besitzt drei barocke Altäre von Johann Seiz.

 

Bekannte Namen

Mit dem Ort verbunden sind Balthasar Neumann, Goethe, Wieland, Sophie La Roche und die Maler Januarius Zick und Caspar Beckenkamp. Mozart spielte am kurfürstlichen Hof, Clemens Brentano wurde im Haus La Roche geboren, und Martin Luther besuchte das Augustiner-Eremiten-Kloster. Auch der Flugzeugkonstrukteur Carl Clemens Bücker und der Schriftsteller Joseph Breitbach stammen von hier. Alle Namen finden Sie in der Personentabelle.

Hochwasser und Sanierung

Die Eindeichung schützt den Ort vor dem früher regelmäßigen Hochwasser. Das zeigt sich in der fortschreitenden Sanierung der Häuser.

Ehrenbreitstein als kurfürstliche Residenzstadt 1632-1786

Kurtrier (auch: Erzstift Trier und Kurfürstentum Trier) war eines der ursprünglich sieben Kurfürstentümer des Heiligen Römischen Reiches. Das weltliche Herrschaftsgebiet des Erzbischofs von Trier existierte von spätkarolingischer Zeit bis zum Reichsdeputationshauptschluss von 1803. Seit der Wende zum 16. Jahrhundert gehörte es zum kurrheinischen Reichskreis und umfasste zur Zeit seiner größten Ausdehnung im Wesentlichen die Gebiete links und rechts der Unterläufe von Mosel und Lahn. Seine Hauptstadt war Trier, Residenzstadt seit dem 17. Jahrhundert Koblenz.

Der Kurfürst war der oberste Landesherr des Kurfürstentums und in Personalunion Erzbischof des sehr viel größeren Erzbistums Trier. Nach der Wahl durch das Domkapitel wurde er vom Papst als Erzbischof und vom Kaiser als Kurfürst eingesetzt. In seiner weltlichen Funktion wurde er von einem Hofrat beraten und regierte seit dem 16. Jahrhundert weitgehend absolutistisch. Jedoch war er bei seinen Entscheidungen durch das so genannte Konsensrecht des Domkapitels und der Landstände häufig eingeschränkt.

Während des Dreissigjährigen Krieges (1618-1648) wurde die grenznahe Stadt Trier immer wieder durch fremde Truppen bedroht. Der Kurstaat besaß mehrere Herrschaftszentren, wobei das verkehrsgünstig gelegene Koblenz ständig an Bedeutung gewann.

Die Residenz wurde 1632 durch Philipp Christoph von Sötern aus dem weniger stark befestigten Trier nach Schloss Philippsburg in Ehrenbreitstein verlegt und war fortan Sitz der Kurfüsten von Trier. 1786 wurde der Sitz durch Clemens Wenzeslaus von Sachsen in das neu erbaute Kurfürstliche Schloss von Koblenz verlegt.

Das kam der Region sehr zugute. Wirtschaft und Infrastruktur verbesserten sich, Hofstaat und Beamte bereicherten das kulturelle Leben. Zudem entstanden zahlreiche repräsentative Bauten und Kunstwerke der Kurfürsten.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde Schloss Philippsburg zunehmend baufällig. Kurfürst Clemens Wenzeslaus (1739-1812) beauftragte die französischen Architekten d'Ixnard und Peyre mit der Planung einer neuen Residenz. Diese wurde von 1777 bis 1786 am damaligen Rand von Koblenz erbaut. Um ausreichend Platz für ein neues Schloss nebst eigenem Stadtteil zu schaffen, wurde ein Teil der Befestigungsanlagen abgetragen.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen infolge der französischen Revolution zwangen den Kurfürsten zur Flucht. Am 23. Oktober 1794 wurde Koblenz von der französischen Revolutionsarmee besetzt.

Foto 1863 francis frith

Foto von Francis Frith, (* 31. Oktober 1822 in Chesterfield, Derbyshire; † 25. Februar 1898 in Cannes, Frankreich) war ein englischer Photograph.

Schön zu sehen ist die ehemalige Stadtbefestigung und Fort Helfenstein.

 

Ehrenbreitstein - ein Reiseführer von 1931

Durch Zufall halte ich einen Reiseführer von 1931 in den Händen. Er beschreibt das Reisen am Rhein, und auch Koblenz und Ehrenbreitstein, damals noch getrennte Städte, kommen darin vor. Mir gefiel das Geschriebene so gut, daß ich es auch Ihnen hier vorstellen möchte. Ich habe die Textpassagen weitgehend unverändert gelassen, und so können Sie sich ein Bild von damals machen. Viel Spaß beim Lesen.

 

Ein Reiseführer aus dem Jahr 1931 aus dem
Grieben- Verlag Berlin

Die Ratschläge

Eine Bank rät:

Vor der Reise
miete man sich bei uns ein Tresorfach und bringe seine wichtigen Briefschaften, Wertsachen usw. darin unter. Das schützt sie besser gegen Indiskretion, Feuer, Wasser und Diebstahl. Kleine Fächer kosten monatlich M. 1.-, an manchen Orten sogar nur 50 Pfg.

Für die Reise
besorge man sich bei uns ein Akkreditiv oder einen Kreditbrief. Dann braucht man nie größere Summen in bar bei sich zu tragen.
Nach der Reise
spare man sofort um einen stetig wachsenden Fonds zu schaffen, aus dem die nächste Reise bestritten werden soll

Ein Pharmaunternehmen rät:

Vor der Reise zu lesen!
Bei Reisebeginn leiden die meisten Personen unter Störung der Verdauung. Die veränderte Kost, das Fahren mit Bahn oder Schiff hemmt die Darmfunktion. Auch wer sich sonst einer geregelten Darmentleerung erfreut, bemerkt Unregelmäßigkeit des Stuhlgangs. Oft wird man dadurch um den Genuß gerade der ersten schönen Urlaubstage betrogen.
Sie reisen ohne Verdauungsstörung, wenn Sie gleich am ersten Reiseabend vor dem Niederlegen eine oder zwei Kissinger Pillen (Boxberger) nehmen. Dann können Sie mit sicherer, schmerzloser Entleerung am anderen Morgen rechnen.

 

 

 

 

 Ehrenbreitstein - Beschreibung aus dem Reiseführer

Bahnhof, am Rhein, der Moselmündung gegenüber, für alle rechtsrhein. Züge. Von der Schiffbrücke und von der Dampffähre am unteren Tor (oberhalb des Bahnhofs) betritt man Tal Ehrenbreitstein. Am Tor, unter der Eisenbahn, Droschken- und Autohalteplatz.

Elektr. Bahn von Ehrenbreitstein nach Koblenz (Bhf.), ferner nach Arenberg, Vallendar, Höhr, Bendorf, Sayn und von Pfaffendorf nach Niederlahnstein.

Schiffsbrücke nach Koblenz, am Tor unter dem Eisenbahnübergang.

Ehrenbreitstein, in der Talschlucht der von den Festen Ehrenbreitstein und Asterstein gekrönten Höhen gelegen, mit ca. 3 000 Einw., war 1774 Sommeraufenthalt Goethes, Lavaters und Basedows, bis 1786 Residenz des Kurfürsten von Trier und ist Geburtsort Brentanos und der Mutter Beethovens. Kurfürstl. Schloß, schöne Giebelhauser usw.

Wenn man von Koblenz über die Schiffbrücke nach Ehrenbreitstein geht, so gelangt man auf den Kapuzinerplatz, an dem r. die 1656 erriehtete Kapuzinerkirche (E 2) liegt. L. zweigt die in ihrer altertümlichen Art gut erhaltene Hofstraße ab, die in nördl. Richtung zum Bahnhof Ehrenbreitstein (E 2) führt. Noch vor dem Bahnhof liegt L das Hotel zum Kurfürsten (s. S. 143), das Haus der Familie Laroche, bei der Goethe 1774 zu Besuch weilte (Gedenktafel). Gegenüber vom Bahnhof das 1739 - 49 von Balthasar Neumann erbaute ehem. Schloß der Kurfürsten von Trier, später Dikasterialgebäude und jetzt Kaserne. Südl. anstoßend der frühere Marstall, 1762 von Joh. Seiz, einem Schüler Balth. Neumanns, erbaut; heute ebenfalls Kaserne. Am Fuß des Felsens, hochgelegen, das Pagenhaus. 118 m über dem Rhein, auf hohem Fels, thront die imposante Feste Ehrenbreitstein (E 1), ehem. kurfürstl. triersches Schloß, 1801 von den Franzosen zerstört, 1816 bis 1822 von Preußen wieder aufgebaut. Die Aussicht von der Höhe gehört zu den schönsten am Rhein. Vom Rheinuf er in Koblenz aus ist der Blick auf die Festung, die finster und unbezwingbar auf den Rhein herabsieht, ungemein malerisch.

Die ursprüngliche alte Landesfestung Ehrenbreitstein wurde 1631 im 30jährigen Kriege von den Franzosen genommen, 1637 aber von dem kaiserlichen General Jan v. Werth wiedergewonnen. 1799 fiel sie nach 10 Monate langer Verteidigung wieder in die Hände der Franzosen, welche die Festungswerke schleiften. 1816 — 26 ließ die preußische Regierung durch den General v. Aster den steilen Felsen aufs neue befestigen; dies ist die heutige Festung Ehrenbreitstein.

 

 

 

 Hotels und Restaurants in Ehrenbreitstein zu dieser Zeit

Hotels

Zum Kurfürsten (historisch interessant, Goethe-Gedenktafel; Geburtshaus v. Clemens Brentano mit Gedenktafel), am Rhein,
Hotel Rheinterrasse, Kaiser-Wilhelm-Terrasse 135a,
Hotel-Rest. Hoegg zur schönen Aussicht, an der Schiffsbrücke
Hotel Rath, Hofstr.,
Hotel Kreutz, Hofstraße 281, gegenüber der Schiffsbrücke,
Rehling, Markt 219,
H. z. Post, Hofstr. 261,
Albert, Kapuzinerplatz,
Weimarer Hof,
Trum (Krone),
Stern.

Restaurants:

Weinhaus u. Café Rheinterrasse, schöne Aussicht;
Leichtle;
Luft, Friedrich-Wilhelm-Str. 165;
Rest. Schlößchen.

 

 Ausflug nach Arenberg

Der Weg zum Asterstein auf der Pfaffendorfer Höhe geht von der Schiffbrücke geradeaus bis zur Steintreppe, dann r. zum Luisenturm (1856 erbaut und nach der Großherzogin von Baden benannt). Darüber auf dem Rande der Höhe ein Obelisk für die 1866 gefallenen Krieger, von den Offizieren des 8. Armeekorps errichtet. Schöne Aussicht auf Koblenz (1 — 1^4 St.; Rest. Terrasse Asterstein; Viktoria-garten). Von Ober-Ehrenbreitstein auf Feldweg in 20 Min., von Ehrenbreitstein zu Fuß in 3/4 St. entweder durch das romantische Mühlental oder über die sog. Kniebreche nach Arenberg.

Arenberg im Volksmund als Roter Hahn bekannt (Anm.: nach der damals bekannten Gststätte),  und nicht nur ein jährlich von Tausenden besuchter Wallfahrtsort, sondern seiner schonen Lage wegen auch als Luftkurort beliebt. Beruhmt sind die religiosen Anlagen (Eintritt 40 Pf., den ganzen Tag geöffnet), geschaffen von Pfarrer Kraus. Die 1860 erbaute und 1868 geweihte Pfarrkirche ist eine Basilika im roman. Stil. Das Innere ist im Geschmack des 19. Jahrh. ausgestattet. Der Hochaltar wirkt überladen. Die Stationen (Besicht. ca. 1 — 1% St.) stellen das Leben und den Leidensweg Christi dar. Die Orientierung ist durch Pfeile, Wegweiser und Nummern erleichtert. Die Anlagen dehnen sich fast bis Immendorf aus. Dicht neben dem Kreuzweg Kloster und Mutterhaus der deutschen Kongregation der Schwestern der hl. Katharina von Siena vom dritten Orden des hl. Dominikus. Das Kloster leitet ein wissenschaftlich.es und ein Haushaltungs-Pensionat. Hinter dem Hotel zum Roten Hahn, auf der Hohe am Waldrand (4 Min.) herrliche Fernsicht bis zu den klar auftauchenden Eifelvulkanen.