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Raum 2 - Frauenleben im Barock

Die Lebenswege von Frauen waren in der Epoche des Barock vielfältig und stets abhängig von den Umständen der Zeit. Im Mittelpunkt des Frauenlebens standen die Arbeit in Haus und Hof sowie der Familienverband. Zahlreiche schriftliche und bildliche Darstellungen belegen, dass Frauen aller Stände, einschließlich des Adels, in allen Lebensphasen - von der Kindheit bis zum Alter - arbeiteten.

Die Objekte des Ausstellungsraums repräsentieren das Leben und Handeln von Frauen und Mädchen in der Alltagsgeschichte des Barock. Auch wenn es nur selten möglich ist, individuelle Biographien zu rekonstruieren, wird deutlich, dass sie jeweils ihren eigenen Beitrag zur Existenz, zum Wohlstand und Überleben der Familie leisteten.

Diese beiden Bilder im Ausstellungsraum bezeugen das tätige Leben von Frauen, sei es als verheiratete Bürgerin am Spinnrad, erkennbar an der gestärkten Haube (Bild 1), oder als dienende Magd (Bild 2).

Bild 1 Bürgerin

Bild 2 Dienstmagd

Es war üblich, dass die Eltern der Braut als Hauptstück ihrer Aussteuer eine Truhe mitgaben, in der ihr Besitz an Leinen und Wäsche enthalten war. Im Raum ist eine solche Aussteuertruhe zu sehen, die 1750 für die heute nicht näher bekannte Anna Christine Blitzberg angefertigt wurde. Das ebenmäßig geschnitzte, wenig individuelle, aber feine Dekor lässt eher an einen städtischen als einen ländlichen Kontext denken.

Im Ausstellungsraum erinnert der aus Hartholz gefertigte Armlehnstuhl aus dem Jahr 1777 an die hervorgehobene Position und patriarchale Stellung des Hausvaters. Häufig war ihm das Privileg vorbehalten, auf einem solchen Stuhl zu sitzen. Individuelle Sitzmöbel wie dieses kamen erst ab dem 16. Jahrhundert bei den kultivierten Stadtbürgern auf, die sich eigens für den angenehmen Aufenthalt ein Wohnzimmer einrichteten. Wie bei der Aussteuertruhe, so kann auch bei dem hier gezeigten Stuhl von einem repräsentativen Möbelstück gesprochen werden.

Die Forschung geht davon aus, dass es seit dem 17. Jahrhundert in Koblenz und in Thal-Ehrenbreitstein eine Aufsichtsbehörde gab, die für die Maße und Gewichte, deren Eichung und Kontrolle zuständig war. Die ausgestellten Flüssigkeits- und Eichmaße geben vom Markt- und Eichwesen in Ehrenbreitstein Zeugnis. In den mit der Gravur 16DHAL75 und 16DAHL75 gekennzeichneten Messinggefäßen konnte man einen bzw. zwei „Liiter" abmessen. Es ist davon auszugehen, dass die Gefäße insbesondere zur Abmessung von Wein dienten.

Die hier ausgestellten Gebäckmodel stehen sinnbildlich für die Bemühungen der breiteren Bevölkerungsschichten, ihre Koch- und Backkunst anlässlich von Festtagen zu zeigen. Im 17. und 18. Jahrhundert waren solche aus Holz geschnitzten Formen weit verbreitet. Mit ihnen verzierten die Hausfrauen ihre Backwaren, wobei sie neben religiösen Bildern und Darstellungen von Heiligenlegenden auch Alltagsszenen verwendeten. Im Gegensatz zur heutigen Zeit, in der die Gebäckmodel vor allem aus der Weihnachtsbäckerei bekannt sind, fanden sie in der Frühen Neuzeit auch bei anderen Gelegenheiten, wie kirchlichen Festtagen und Hochzeiten, Verwendung.

Adelige Damen erhielten dann Herrschaftsprivilegien und Kauffrauen traten in die Geschäfte ihrer Männer ein. Auch Handwerkerfrauen führten die Familienbetriebe weiter, wie die mit Maria Magdalena van Beethoven verwandte Zuckerbäckerswitwe Maria Gertrud Herberger (1724-1810). Anna Clara Keverich (1707-1768), die Großmutter Ludwig van Beethovens, übernahm als Witwe die Leitung der Ehrenbreitsteiner Hofküche. Im Landesarchiv Koblenz ist eine Abrechnung erhalten, in der sie 1760 als Pächterin der Hofküche verantwortlich zeichnete und die hier als Faksimile gezeigt wird.

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